2.10.08

Loretta Chase: Und schließlich … Liebe

Bei den meisten meiner Geschichten geht es um Liebe auf den ersten Blick. Die Charaktere wehren sich vielleicht dagegen … Moment mal. Was behaupte ich da? Wehren sich vielleicht? Sie kämpfen mit allem was sie haben gegen die Liebe an. Sie verlieben sich nicht einfach, sie müssen mit Gewalt zu ihrem Glück gezwungen werden.

In meinem Fall hat sich die Liebe heimlich angeschlichen, und es ist passiert, weil ich Schriftstellerin bin und schon immer war. Ich habe mir Geschichten und Lieder ausgedacht, bevor ich lesen oder schreiben konnte, und sobald ich wusste, wie das geht, fing ich damit an, sie aufzuschreiben. Den größten Teil meiner Kindheit habe ich lesend oder schreibend verbracht.

Auf dem College habe ich zunächst Psychologie studiert, mit der Absicht Psychologin oder Psychiaterin zu werden, da mich die menschliche Natur von jeher fasziniert hat. Aber nach kurzer Zeit wechselte ich zu Englischer Literatur, obwohl das kaum der Weg zu einem gut bezahlten Job ist – oder zu überhaupt irgendeinem Job. Ich habe es aus Liebe getan – aus Liebe am Lesen und Schreiben und der Geschichte und dem Verständnis der menschlichen Natur, das man dabei ergründen kann.

Es ist vermutlich wenig überraschend, dass diese unpraktische Herangehensweise an das Studium dazu führte, dass ich auch einen akademischen Job fand. Aber interessanterweise führten gerade meine Kontakte unter Akademikern zu meinem ersten bezahlten Schreibjob, einem Ausstellungskatalog. Darüber wiederum kam ich zum Schreiben von Scripts für Firmenvideos.

So habe ich ihn getroffen. Er war ein Produzent. Ich war eine Drehbuchautorin.

Er verstand genau, wie ich funktionierte und wie er mit mir reden musste. Er wusste, wie er mich inspirieren konnte. Er schien wirklich zu verstehen, was Schreiben bedeutete, und respektierte das. Außerdem war er gut aussehend, intelligent und lustig, und wir hatten genauso viele Gemeinsamkeiten wie Unterschiede. Zunächst waren wir befreundete Kollegen, die auf ihren Script-Meetings mehr Spaß hatten, als es sonst üblich war, und nach und nach wurden wir richtige Freunde. Und mit der Zeit wurde wir – zu unser beider Überraschung – ein Paar.

Dann fing die ständige Fragerei an.

Zu der Zeit wusste er schon, dass ich schrieb, seit ich einen Bleistift halten konnte. Er wusste von den Kartons mit tausenden von Seiten des großen amerikanischen Romans, an dem ich seit der High School arbeitete, den Notizbüchern mit (sehr schlechten) Gedichten und den 30-seitigen Briefen an meine Freunde.

Eines Tages fragte er: “Willst du denn kein Buch schreiben?”
Wollte ich schon, aber … naja, ich wusste anscheinend nicht, wie man das macht. Mir schien das Talent zu fehlen. Ich verwies auf den großen amerikanischen Roman, die in Schachteln verpackt im Keller lag.

Er sagte: “Wenn du ein unterhaltsames Script über Ablagesysteme verfassen kannst, dann bist du auch einfallsreich genug, einen Roman zu schreiben.“

Er kann sehr überzeugend sein. Wenig später schaute ich mir ich das Liebesroman-Genre genauer an, was mich zu den traditionellen Regencies führte, einem Untergenre, das wie für mich gemacht zu sein schien: angesiedelt im 19. Jahrhundert, in dem englische Lords und Ladies sich witzige und schlagfertige Unterhaltungen liefern. Die Recherche hat so viel Spaß gemacht wie das Schreiben selbst.

Irgendwo zwischen meiner normalen Arbeit tagsüber und dem Video-Nebenjob abends fand ich noch Zeit und schrieb über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren „Isabella“, einen traditionellen Regency.

Es hätte noch länger gedauert, wenn er mich nicht mit Fragen wie “Ist es schon fertig?” bei der Stange gehalten hätte.

Es wurde Dank seiner großzügigen Unterstützung (sprich seines Nachhakens) fertig.

Und es wurde vom ersten Verlag, an den ich es sandte (weil er mich so lange genervt hat, bis ich es wegschickte), veröffentlicht. Und ja, als er mich mit Sätzen wie „Du wirst es als Schriftstellerin schaffen“ ermutigte, gab ich meine andere Arbeit auf.

Und ja, er hatte Recht.

Und ja, liebe Leserin, ich habe ihn geheiratet.

Loretta Chase